Ich bin erkältet. Mit Mindesttemperaturen von 20° etwas seltsam... Aber es ist momentan unter den Leuten im Büro, was darauf schließen lässt, dass es auf der Hochzeit dann doch etwas zu kühl wurde auf Dauer. Nachdem gestern mein trockener-Hals-Tag war, kam heute der Keuchhusten und Kopfschmerzen-Tag. Morgen werde ich den ganzen Tag nur Schnupfen haben, dafür ist dann der Husten weg aber die Schweißausbrüche da, Ohrenschmerzen prognostiziere ich für morgen nacht. Montag wird's dann vermutlich vorbei sein, nachdem der Schnupfenzenith für Freitag/Samstag vorauszusehen ist. Schön, wenn man seinen Körper kennt.
Wie ich meinen standardmäßigen Erkältungsablauf kenne, wird mein geplanter Samstagsstrip zum Taj Mahal in Agra sicherlich nichts...und die Woche darauf wohl auch nicht, da ich vermutlich als Back-Up in Delhi bleiben werde, während Marie unsere Delegierten betreut. Mal sehen...
Noch dazu ist es momentan sehr stressig auf der Arbeit, vor 20 Uhr komme ich nicht aus dem Büro. Naja, immerhin haben wir alle Hände voll zu tun - der Zwangsurlaub wie in der deutschen Automobilindustrie ist momentan in weiter Ferne ;)
Anyways, zu etwas Schönerem.
Gestern war ich auf dem GREAT INDIAN ROCK. Das ist das größte indische Rockfestival, welches durch das ganze Land tourt - mit 4 indischen Bands und 1-2 europäischen Headlinern. Headliner war lustigerweise die norwegische Black Metal Band Satyricon. Aber eigentlich muss ich sagen, fand ich die indischen Bands viel geiler: Da wäre als allererstes Level 9, die mit einer indischen weiblichen(!) Rockröhre einen auf ruhigere Guano Apes mit jazziger Note gemacht haben, Undying Inc, die einen wüsten Metalcore mit charismatischem Sänger zum besten gegeben haben, Scribe, die quasi Nu Metal mit Math-Core Einsprengseln gespielt haben à la Mastodon, The Dillinger Escape Plan oder Mudvayne, wobei der Sänger aussah wie Cheno von den Deftones und Them Clones, eine Band die mit Hüpf-Rock die Mädels mit Rock (im Herzen) erfreute. (Ich hätte vielleicht doch meine Karriere als Online-Musikjournalist fortführen sollen, ne?)
Was aber am allerbemerkenswertesten war, das war das Publikum. Als ich am Pragati Maidan, dem Dilli-Messegelände, ankam, war es wie daheim: Lauter junge Typen mit schwarzen T-Shirts mit düsteren schlecht lesbaren Logos und Parolen drauf und eine überraschend hohe Anzahl von Mädchen (20-30%) im "Klick auf mein Myspace-Profil!" -Look. (ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Oma die das hier vermutlich auch liest seit 20 Zeilen keine Ahnung mehr hat um was es geht...).
Was wirklich bemerkenswert ist: Auf dem Open Air Festivalgelände (das mehr einem Amphitheater ähnelte) war Alkohol UND Zigaretten verboten!
Das hat die Jungs allerdings nicht daran gehindert, bei den härteren Bands komplett auszuticken und mehrere Moshpits zu bilden! Wenn man eben mal die Gelegenheit dazu hat...wird sie auch genutzt!
Besonders interessant war, wie die erste Band einen typischen "Halt-das-Feuerzeug-In-Die-Luft" Song namens "Another shade of blue" spielte. Es gibt nämlich nicht nur ein Zigaretten-, sondern auch ein Feuerzeugverbot! Dreimal dürft ihr raten, was als Ersatz benutzt wurde!....
....MOBILTELEFONE!
Ja, richtig gelesen. Da standen also ca. 3000 Inder und ein guter Teil hielt davon sein Handy in die Höhe, so dass ein Meer aus "another shade of blue" entstand. It happens only in India!
A propos Mobiltelefone - ich hatte nicht das Gefühl, dass den Indern Satyricon richtig Spaß machen würde, ich selbst muss sagen, dass hier skandinavische "ES IST SO FURCHTBAR DUNKEL HIER!"-Musik einfach nicht passt! Aber als sie die Keyboarderin sahen, die aussah als wäre sie dem "Katalog für blonde, langbeinige, schlanke, langhaarige Norwegerinnen die auch gerne headbangen" entsprungen, waren sie hin und weg und hielten permanent ihre Handies hoch um Fotos zu machen. Meinem Nachbar, mit dem ich auch ein paar Worte gewechselt habe, durfte ich quasi zugucken wie ihm die Kinnlade runterkippte. Ich glaube für das indische Publikum hatte Satyricon nur zwei Sorten Lieder: Lieder ohne oder mit Keyboarderin.
Ich hätte wirklich gerne Fotos gemacht, aber da ich von Konzerten in Deutschland gewöhnt bin, dass der Fotoapparat und nicht der Bierbecher verboten ist, hatte ich den lieber zu Hause gelassen, bevor ihn irgendein Türsteher einsackt. Tja, dumm gelaufen, ich hätte es zu gerne konserviert. Naja - hab mir als Erinnerung für 1,50 Euro den Festival-Sampler mit allen indischen Bands der gesamten Tour geholt. Das nenn ich auch mal einen Deal..
Als ich rauskam, sah ich, dass eine Hochzeitsfeier neben dem Festival statt gefunden hatte...ich dachte mir: "Hm....wieviel Satyricon haben die hier gehört?" Dieses Video zeigt es...
Eine Sache noch. Das Ergebnis der US-Wahl wird natürlich auch von mir mit Spannung erwartet. Hier mein Tipp für den Ausgang, produziert mit dem Spiegel-Wahlsimulator! (ich liebe dieses Tool!)
We're all livin in Amerika, Amerika is wunderbar...
Bis dann!


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