Wetter in New Delhi

Dienstag, 23. Dezember 2008

Wie Mutter und Tochter, CD 2

Da bin ich wieder. Ihr seid vermutlich alle schön in Weihnachtsstimmung, respektive Weihnachtsstress. Nun, von alledem bekommt man hier nicht viel mit. Es wird zwar etwas kälter, aber es fehlt die gewisse Kälte, gepaart mit hell erleuchteten Gebäuden. Da waren die Inder Ende Oktober schon gut dabei - Diwali erzeugte (mal abgesehen vom Dauerfeuerwerk) so eine weihnachtliche Stimmung.

Für die etwas später hinzugekommenen: Dieser Post ist die Fortsetzung des gestrigen (CD 1). Für den ersten Teil bitte herunterscrollen. Wer übrigens nicht rafft, was der Titel bedeutet, ist kein echter Hesse und/oder kennt die Nationalheiligen Badesalz nicht...

Nach unserem Tag in Agra ging es Mittwochs nach Fatehpur Sikri. Die Nacht in Agra war übrigens auch sehr speziell. Irgendein ein monotoner, aber nichtsdestotrotz atonaler Singsang (ich habe die Moslems oder die Sikhs im Verdacht) kam bestimmt 2 Stunden lang aus nächster Nähe an unsere Ohren. Außerdem: Der Hotel-Hund der mit anderen Hunden um die Wette gebellt hat und die üblichen indischen Störgeräusche: Hahnkrähen, der Mann auf dem Fahrrad der "Paneeeeeee" schreit und irgendein Rumpeln auf dem Dach (Affen?!), Hopplajetztkommich-Hupen, etc... Ich sag nur so viel: Wenn man iPod-Kopfhörer in den Ohren hat und trotzdem nicht mit Sigur Rós oder Bohren & Der Club Of Gore einschlafen kann, weil die Außengeräusche lauter sind, dann ist Durchschlafen nicht angesagt.
Aber zurück zu Fatehpur Sikri: Dieser Ort liegt ca. 40 km westlich von Agra und wurde von dem damaligen Mogul (irgendwann anno 15hundertbatschdich) als "perfekte Stadt" entworfen. Dieser islamische Herrscher zeichnete sich dadurch aus, dass er die verschiedensten Religionen unter einen Hut bringen wollte und auf die Einheit aller Religionen abzielte. Kleine rhetorische Quizfrage für die Islamisten unter euch: Hmmmm...wann ging es dem arabischen Sprachraum wohl besser? Zur Zeit dieser recht liberalen Herrscher oder jetzt, wo jeder Ungläubige des Teufels ist?

Vielleicht hatte der Mogul aber auch einfach nur erkannt, dass so eine Offenheit gegenüber richtig prima ist, wenn es heisst, dass man sich aus aller Herren Länder die Frauen holen kann... so konnte er nämlich ohne religiöse Gewissensbisse eine moslemische, hinduistische und christliche Frau ehelichen und ihnen jeweils ein Haus in seinem Palast bauen. Ein Palast in dem jede Wandverzierung aussieht wie eine Sammlung verschiedenster religiöser Symbole.

Doch halt, wir waren ja immernoch in Agra. Nach einem Frühstück mit Taj Mahal im Hintergrund machten wir uns per Taxi auf dem Weg nach Fatehpuri Sikri. In Indien ist der Weg manchmal wirklich das Ziel und eigentlich schon Sightseeing genug:


Was man nicht alles sieht, wenn man einfach nur aus dem Fenster schaut...

Das hier links ist nicht Niedersachsen, sondern Uttar Pradesh.Rechts ein KIK.

Stahlträger von A nach B transportieren? Nimm doch den Pferdewagen!


In Agra einfach mal aus dem Fenster geschaut.

In Fatehpur Sikri angekommen, wollte uns mal wieder jeder in seine Wertschöpfungskette integrieren. Da die Informationen am Monument recht mager waren und man ja auch nicht rumlaufen will, als wär der Lonely Planet an einem festgewachsen, hatte sich diesmal aber auch der Guide (wie heisst das eigentlich auf Deutsch: Touristenführer?) einigermaßen gelohnt. Er ist fast schon aufgrund einer einzigen Sache sein Geld wert: Die anderen Guides bleiben einem vom Leib! Im Gegenzug wird man allerdings in den einen oder anderen Laden geschleppt, wo man dann allerhand präsentiert bekommt. Ist ja meistens gar nicht so unschön und auch sicherlich eine Menge Arbeit gewesen. Aber was soll ich zum Beispiel mit einer marmornen Tischplatte? Inwiefern sollte irgendwas davon zu europäischem Interieur passen? Und wie sollte die überhaupt nach Deutschland kommen? Ich glaube, was die dort brauchen, ist ein bisschen Marktforschung...


Auch ganz dringend: Jemand der die WESPENNESTER entfernt! (siehe links)

Hier saß früher ein Astrologe und hat astrologischen Gedanken gefröhnt.

So sieht es aus in Uttar Pradesh.




Will noch jemand mit?


Der Taj Express von Agra nach Delhi - in der Klasse Chair Car voller Backpacker, indischen Familien die untereinander nur englisch sprechen und auch Mr. Busy Businessman Is Busy Doing Business hier vorne.

Nach diesen zwar erkenntnisreichen, aber auch anstrengenden Tagen hatten wir uns Ausschlafen redlich verdient. Dabei hätten wir allerdings beinahe den gesamten Donnerstag verschlafen... Nach einem kurzen Shopping-Ausflug ging es zum Bahai-Tempel. Bahai ist eine Religion die vor ca. 150 Jahren gegründet wurde. Es war recht interessant, zu sehen, wie sich diese Religion aus dem Nichts entwickelt hat und heute immerhin so viele Anhänger und Knete hat, um diesen Tempel aufzustellen.


Der Bahai-Tempel

Der Iscon-Tempel

Außerdem hier noch ein echtes Special: Ein Buchladen am Nehru Place mit Sonderangebot:


Ein klarer Fall von FAIL.

Danach waren wir noch im Büro und ich hab meinen Vater im Büro vorgestellt. Eigentlich hatte ich noch vor, zum Akshardham Tempel zu fahren, aber da wir uns etwas festgequatscht hatten, wurde das dann nichts mehr und auf den nächsten Tag verschoben.

Der Sightseeing - Teil des Tages war also ein recht kleiner. Dafür war abends wieder das Urban Pind im Zentrum des Geschehens. Denn immerhin war für einige, wenn nicht gar viele des deutschen Blocks das letzte Mal Feiern angesagt in diesem Laden, der über die Monate ein wöchentlicher Treffpunkt war. Aber Weihnachten ist vermutlich auch ein guter Zeitpunkt, um ein Praktikum zu beenden. :) An dieser Stelle möcht ich allen aus dem deutschen Block, die wieder in der Heimat sind, alles Gute wünschen und mich bedanken für die tolle Zeit. Es wäre sicherlich um einiges langweiliger und verwirrender in Delhi gewesen, wenn da nicht noch ein paar Leidens- und Spaßgenossen gewesen wären...Ganz Besonders gilt das Marie, welche auch am letzten Samstag geflogen ist. Ich hätte mir kaum eine nettere Mitpraktikantin wünschen können, die gleichzeitig auch noch so gute Riksha-Preise aushandeln kann! :)

Ich hoffe, wir sehen uns alle in Deutschland wieder und werden unseren Traum erfüllen: In Deutschland eine realitätsnahe indische Kreuzung aufbauen! ;)


Die Crew ist im Haus.

Und DJ "Warum zur Hölle hat er ein Cradle-Shirt an?" legt auf...

Hurra dem unermüdlichen Partyfotograf des Urban Pind.

Aber es bleiben denke ich genug Deutsche in Delhi, so dass es nicht allzu langweilig wird. Vor allem bleibt Maries Wohnung in der Def Col gar nicht so lang kalt. Am Mittwoch - sprich morgen - kommt Leonie mit dem Zug aus Dehra Dun. Sie hat seit Mitte Septemer in einer anderen Firma in Delhi ein Praktikum gemacht, weswegen wir uns auch schon kennen - das deutsche Delhi ist klein... ;) Ab Anfang Januar wird sie allerdings bei Wamser + Batra sein, was sicherlich eine gute Zeit wird. Wenn ihr beim Warten aufs Christkind eh wieder nur vorm Rechner hockt, könnt ihr ja mal ihren Blog besuchen und euch informieren, wie es sich so im Himalaya bei einer indischen Familie lebt. Für mich auch eine sehr spannende Sache, denn ehrlich gesagt sind meine Kontakte zum indischen Familienleben doch eher spärlich gesäht.

Was bleibt zu sagen, jetzt, da es wieder 2 Uhr nachts ist und ich immernoch nicht blogtechnisch in der Gegenwart angelangt bin? Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest! Vielleicht liegt morgen abend ja wieder ein Blog unter dem Weihnachtsbaum!

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