Aber wir reisen zuerst mal zurück in den 19. Dezember - mein Vater ist noch in Delhi, es ist Freitag und auf dem Programm steht der Besuch eines große-Größen-Ladens, des Abschiedsessens von Marie im Büro und der Akshardham Tempel.
Der Besuch im Große-Größen-Laden war leider nötig, denn die typischen indischen Größen sind nicht so wirklich kompatibel mit meinem Format. Dort war dann allerdings das dicke-Inder-Biotop mit Größen bis 5XL...zum Glück brauchte ich doch nicht ganz so große Klamotten. Aber ich prophezeihe mal, dass bei einem Wirtschaftswachstum von 7% und dem Fortführen der Tradition, alles in Ghee (Butterschmalz) zu tunken, dieser Laden zumindest für das Oberschicht-Segment eine Zukunft haben wird.
Auf unserer nächsten Station stand das Abschiedsessen an, zu dem Marie eine Menge Dosas und Chutneys und Reis bestellt hatte. Der Tisch war ziemlich vollgestellt mit allem Möglichen. Meinem Vater war an dem Tag nicht ganz so wohl im Magen und musste schon relativ schnell auf einen Nachschlag verzichten. Daher wurde er dann auch Zeuge der indischen "Nimm doch noch mehr! Es ist genug da! Unser indisches Essen ist doch toll, warum isst du nicht mehr?"-Mentalität, die vermutlich für (davon profitierende) Bewohner von Wirtschaftswunderländern normal ist...
Ich hab dann auch mein Geburtstagsgeschenk aus dem Büro bekommen: Krawatte und Manschettenknöpfe :) Auf diese Idee hatte ich meine Kollegen wohl selbst gebracht, als ich mir ein Hemd gekauft hatte, das Manschettenknöpfe benötigte, aber selbst keine hatte. Dies aber erst merkte, als ich mit den handelsüblichen Manschetten-Ersatzkugeln im Hemd zur Arbeit kam und über meine Dummheit fluchte...
Aber nun wieder zurück zum Sightseeing! Wir setzten uns in eine Rikshaw, die uns zum Akshardham Tempel brachte. Der Weg ist gar nicht mal so kurz, aber er lohnt sich. Dabei fuhren wir auch über den Yamuna - den Fluss den mein Vater in Agra noch als stinkende Brühe bezeichnete. Als der Geruch des Flusses bei Erreichen des Flußbettes (sprich: Beim Auffahren auf die Brücke) nicht mehr zu verneinen war, wurde klar, dass der im 200 km flußabwärts gelegenen Agra quasi wieder als "sauber" zu betrachten ist...
Der Akshardham Tempel. Leider sind Fotos auf dem Tempelgelände nicht erlaubt.
Der Akshardham Tempel ist ein 2005 erbauter Tempel der hinduistischen Swaminarayan-Sekte. Der Baustil ist allerdings sehr stark orientiert an alt-indischen (vedischen) Tempeln und Gebäuden, die man allerdings in Delhi kaum sonst findet. Dafür war die Stadt zu lange Zentrum der moslemischen Mogul-Herrscher. Wie beim Bahai-Tempel auch war es interessant zu sehen, wie eine junge Religion entstanden ist und wie man den Glauben so bekannt machen kann. Die hinduistischen Religionsanhänger stellen sich nicht mit dem "Wachturm" in die Fußgängerzone, sondern bauen einfach ein Bauwerk, dass Touristen aus Indien und dem Ausland anziehen kann. Im Preis inbegriffen ist dann auch ein bisschen Belehrung über das Leben des großen Gurus. Und eine kleine Bootstour, bei der man viel über indische Geschichte lernt. So ist zumindest der Plan. Die Bootstour wirft allerdings am Ende mehr Fragen als Antworten auf: In der vedischen Periode von 1200-600 v. Chr. war Indien auf jeden Fall hochentwickelt, aber dass sie a) das Atom-Modell, b) eine Art Satz des Phytagoras formuliert haben und c) Raumschiffe gebaut haben, das erscheint mir doch mehr als zweifelhaft. Und wenn doch: Wo ist es jetzt? Die leicht patriotische Kernbotschaft am Ende der Bootsfahrt lautet dann auch in etwas so: "Wenn wir in unserer Vergangenheit so großartige Dinge leisten konnten, warum nicht heute? Du bist Indien."
Nach dieser Fahrt haben wir uns dann noch die Musical Fountain Show angesehen, eine ganz gut gemachte Wasserspiel-Show mit indischer Musik und Lichtuntermalung.
Wie ihr vielleicht schon merkt, waren die ersten beiden Tage nach Agra etwas ruhig. Das lag in erster Linie daran, dass ich meinen Vater nicht sofort nach der Agra-Reise nach Old Delhi schmeissen wollte. Denn die Altstadt von Delhi ist eine ziemliche Reizüberflutung, vor allem wenn man zum ersten Mal dort ist. Old Delhi ist das eigentliche Zentrum der Stadt, neben die die Engländer 1931 New Delhi gesetzt hatten. Das geübte Stadtgeographen-Auge sieht schon auf Google Maps die frappierende Ähnlichkeit mit dem islamischen Stadtmodell...Ein Gewirr von Straßen, wovon die meisten in Sackgassen enden. Enge Gassen, die zwar im Sommer sicherstellen, dass das Leben auf der Straße nicht dem Hitzeschlag erliegt, aber einen heutzutage fragen lassen: Soll ich da wirklich rein gehen?
Wir beantworteten diese Frage am Samstag mit "Ja" und stürzten uns in Getümmel.
Old Delhi ist vor allem ein Einzelhandelszentrum, vor allem für das "alte" Indien in Delhi und Umgebung. Die hippen Dilliwallas aus dem Süden der Stadt und die Vorstädter aus Gurgaon und Noida mögen vielleicht in Neonlicht getauchten Malls shoppen gehen: Der Rest aber geht nach Old Delhi um Besorgungen zu machen. Diese ganze Stadt ist einfach ein Shopping-Center und hätte man mehr Zeit, man könnte genau die Reviere verschiedener Produktgruppen abstecken: Der Hochzeitskarten-Markt, der Gewürzmarkt (was für Gerüche!), der Industriepumpen- und ventile-Markt, der Geschirrmarkt, der Sari-Markt, etc...Es gibt vermutlich nichts, was es nicht gibt. Man müsste nur wissen, wo es ist. Um die Jama Majid (Indiens größte Moschee) und das Red Fort herum wimmelt es von selbsternannten Touristenführern und Fahrradrickshaw-Fahrern, aber etwas tiefer in Old Delhi bleibt man als Weißer vollkommen unbeachtet. "Der will hier eh nix kaufen, der guckt nur" ist scheinbar der Eindruck und man geht einfach seinen Geschäften nach. Das Geschäft besteht darin, Waren auf die abenteuerlichste Weise von A nach B zu transportieren, um Preise zu feilschen, irgendwas auf irgendwelche Weise zuzubereiten undsoweiterundsofort.

Chawri Bazaar, im Vordergrund Eingang zur Metro

Mit Shafakhana's Spezialtinktur reckt sich auch der schlaffeste Turban wieder in die Höh'. Nebenwirkungen: Ein großartiger Schnauzbart.

Nüsschen?

Chillen auf Fracht.

Ich verschmelze mit der Masse. Man beachte die Chili-Säcke links.

Gerade wenn man über den Gewürzmarkt geht, weiss man nicht mehr, was gerade alles in die Nase strömt. Die wilde Gewürzmischung Marke India.

In Old Delhi ist immer Rush Hour.

Indien - kein Land für Agoraphobiker

Jeder KFZ-Teile Händler ist ein Ludolf.

Raj Ghat, Mahatma Gandhi's Kremierungsstätte

Wann kann man schon mal die Sonne fotografieren?
Nach dieser Fahrt haben wir uns dann noch die Musical Fountain Show angesehen, eine ganz gut gemachte Wasserspiel-Show mit indischer Musik und Lichtuntermalung.
Wie ihr vielleicht schon merkt, waren die ersten beiden Tage nach Agra etwas ruhig. Das lag in erster Linie daran, dass ich meinen Vater nicht sofort nach der Agra-Reise nach Old Delhi schmeissen wollte. Denn die Altstadt von Delhi ist eine ziemliche Reizüberflutung, vor allem wenn man zum ersten Mal dort ist. Old Delhi ist das eigentliche Zentrum der Stadt, neben die die Engländer 1931 New Delhi gesetzt hatten. Das geübte Stadtgeographen-Auge sieht schon auf Google Maps die frappierende Ähnlichkeit mit dem islamischen Stadtmodell...Ein Gewirr von Straßen, wovon die meisten in Sackgassen enden. Enge Gassen, die zwar im Sommer sicherstellen, dass das Leben auf der Straße nicht dem Hitzeschlag erliegt, aber einen heutzutage fragen lassen: Soll ich da wirklich rein gehen?
Wir beantworteten diese Frage am Samstag mit "Ja" und stürzten uns in Getümmel.
Old Delhi ist vor allem ein Einzelhandelszentrum, vor allem für das "alte" Indien in Delhi und Umgebung. Die hippen Dilliwallas aus dem Süden der Stadt und die Vorstädter aus Gurgaon und Noida mögen vielleicht in Neonlicht getauchten Malls shoppen gehen: Der Rest aber geht nach Old Delhi um Besorgungen zu machen. Diese ganze Stadt ist einfach ein Shopping-Center und hätte man mehr Zeit, man könnte genau die Reviere verschiedener Produktgruppen abstecken: Der Hochzeitskarten-Markt, der Gewürzmarkt (was für Gerüche!), der Industriepumpen- und ventile-Markt, der Geschirrmarkt, der Sari-Markt, etc...Es gibt vermutlich nichts, was es nicht gibt. Man müsste nur wissen, wo es ist. Um die Jama Majid (Indiens größte Moschee) und das Red Fort herum wimmelt es von selbsternannten Touristenführern und Fahrradrickshaw-Fahrern, aber etwas tiefer in Old Delhi bleibt man als Weißer vollkommen unbeachtet. "Der will hier eh nix kaufen, der guckt nur" ist scheinbar der Eindruck und man geht einfach seinen Geschäften nach. Das Geschäft besteht darin, Waren auf die abenteuerlichste Weise von A nach B zu transportieren, um Preise zu feilschen, irgendwas auf irgendwelche Weise zuzubereiten undsoweiterundsofort.
Chawri Bazaar, im Vordergrund Eingang zur Metro
Mit Shafakhana's Spezialtinktur reckt sich auch der schlaffeste Turban wieder in die Höh'. Nebenwirkungen: Ein großartiger Schnauzbart.
Nüsschen?
Chillen auf Fracht.
Ich verschmelze mit der Masse. Man beachte die Chili-Säcke links.
Gerade wenn man über den Gewürzmarkt geht, weiss man nicht mehr, was gerade alles in die Nase strömt. Die wilde Gewürzmischung Marke India.
In Old Delhi ist immer Rush Hour.
Indien - kein Land für Agoraphobiker
Jeder KFZ-Teile Händler ist ein Ludolf.
Nach diesem Ausflug ins alte Delhi fuhren wir mit einem Riksha-Fahrer, der offensichtlich Probleme mit seinem Nervensystem zu haben schien. Anders kann ich mir nicht erklären, warum er in unglaublich schnellen zuckenden Bewegungen nach links und rechts schaute und dabei ein große Ähnlichkeiten zu den Kopfbewegungen von Tauben oder Hühnchen entwickelte. Zum Glück kamen wir dann doch noch am eigentlichen Ziel, dem Raj Ghat an, dem Kremierungsort von Mahatma Gandhi. Das Schöne an diesem Ort ist definitiv die relative Ruhe in der Nähe von Old Delhi.
Raj Ghat, Mahatma Gandhi's Kremierungsstätte
Wann kann man schon mal die Sonne fotografieren?
Ich merke, dass ich meine Schreibgeschwindigkeit überschätze... ich muss wieder mal "TSCHÖSS" sagen...


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