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Samstag, 17. Januar 2009

Going up the country, Teil 2

Nach Srirangapatnam ging die Fahrt weiter zu den Brindavan Gardens, eine Parkanlage hinter einem Damm. Ein sehr beliebtes Ausflugsziel - ich hatte das Gefühl, dass ganz Süd-Karnataka hier flanierte, auf dem Gras lag oder ganz seltsame Spiele spielte, dessen Sinn sich mir einfach nicht erschließt. Seht einfach selbst:

Eigentlich eine ganz gute Idee für die Nebennutzung eines Staudamms. Brindavan Gardens.

Wasserspiele - das finden die Inder großartig.

Für 10 Rupien Kokosnusswasser "to-go"



Nach der obligatorischen Sound-and-light Show (Beleuchtete Wasserfontäne + Musik = Attraktion?) ließ ich mich dann wieder zurück nach Mysore fahren. In Mysore selbst wurde ich dann mal wieder Zeuge der Hartnäckigkeit eines Verkäufers. Der lief mir bestimmt 500 m hinterher und wollte mir zuerst eine Flöte verkaufen - als er gemerkt hatte, dass ich sie weder zu einem Drittel des anfänglich genannten Preises noch im Doppelpack kaufen wollte, versuchte er den "Als Geschenk?"-Weg: Nein, für mein Kind bräuchte ich auch keine, erwiderte ich, ich hätte keins. Dann kramte er plötzlich eine Kette hervor, die ich doch an meine Frau schenken könnte. Nein, eine Frau hätte ich auch nicht. Aber Freundin (Girlfriend), der würde das sicherlich auch gefallen, meinte er... Aber er ließ sich nicht mal abschütteln mit "No! No! No! No girlfriend, no wife, no children!, I don't need this - You are wasting your time!!!"

Ganz im Gegenteil...das hieß für ihn nur, dass ich vielleicht 2 davon kaufen würde. Wie gesagt, 500 m lang ist er mir quer durch Mysore gefolgt. Scheinbar war ich dann irgendwann raus aus seinem "Revier" und er ließ dann doch von mir ab, aber er wird mir als hartnäckigster Verkäufer Indiens im Gedächtnis bleiben.

Meinen letzten Abend verbrachte ich dann in Mysore wieder im "Opium", wo ich schon wie ein Stammgast aufgenommen wurde und viel mit dem DJ und seinen Kumpels redete. Finde es immer wieder interessant, mit Indern meines Alters ins Gespräch zu kommen, vor allem wenn sie nicht ganz so überreich wie die Süd-Delhi-Partycrew daherkommt. Habe da meist das Gefühl, dass die kulturellen Unterschiede ganz gering werden und gerade die junge, wohlhabende Generation den ganzen traditionellen Ballast der indischen Familienkultur abstreift als wäre es ein altes Hemd. Man kann sich außerdem ganz prima über ganz normale Dinge unterhalten.

Am nächsten Tag ging es dann zurück nach New Delhi. Zuvor noch ein Besuch im Jaganmohan Palace, wo man im Prinzip die Wohnung der Maharaja-Familie ausgestellt hatte. Ganz schön prunkvoll...auch etwas kitschig (wie beispiel das Sofa mit Perlmutt Einlagen), aber was soll man von einem Maharaja erwarten? Ich persönlich fand die kleine Sammlung alter Sitare und anderer traditioneller Instrumente ganz klasse :)

Jaganmohan Palace


Auf der Rückfahr geschah dann nicht mehr viel. Am Bahnhof von Mysore saß ich auf der Wartebank gemeinsam mit einem Inder, der in ein hellpinkes Gewand gehüllt war, einen spitzen Ziegenbart im Gesicht trug und einen hohen Turban trug. Ich habe selten jemanden gesehen, der dem Bösewicht aus dem Asterix-Band "Asterix im Morgenland" ähnlicher sah. Hätte doch jemand ein Bild gemacht von uns beiden auf dieser Bank...es wäre die Visualisierung des Zusammenpralls von Kulturen gewesen..

In Bangalore besuchte ich dann die Familie von Pankaja, einer Kollegin von mir. Pankaja war selbst über die Weihnachtsfeiertage zu ihren Eltern nach Bangalore gefahren, und da ich genügend Zeit zwischen Zugfahrt und Flug hatte, besuchte ich also Pankajas Elternhaus inklusive Familie. Den Namen des Viertels (Nelagadaranahalli) kann ich heute noch nicht fehlerfrei ablesen...War sehr spannend, mal ein richtiges indisches Mittelschicht-Haus von innen zu sehen. Für deutsche Verhältnisse sehr klein, aber nichtsdestotrotz ein nettes Häuschen, in dem auch alle zufrieden zu sein schienen. Ich wurde außerdem mit überwältigender Gastfreundschaft empfangen, und Pankaja nötigte mir vor dem Essen einen kompletten Teller voller südindischer Süßspeisen auf, so dass ich kaum noch was vom eigentlich Essen hatte..
Ein besonderes Merkmal des Hauses war definitiv der Götterschrein in der Wand des Wohnzimmers, der an diesem besagten Tag allerdings geschlossen war, denn man hatte "non-veg", also nicht-vegetarisches, also Fleisch gegessen, so dass die Tür zum Schrein geschlossen werden musste! Die Küche war ein Sammelsurium von Hunderten Gewürzen, wobei an keinem Gewürzbehältnis ein Name dranstand - Pankaja meinte, dass ihre Mutter genau Bescheid wüsste, wo was ist.
Fotos sind leider gerade nur auf Pankajas Kamera, und wir müssen die Fotos noch von ihrer seltsamen Speicherkarte runterpflücken...wird also noch nachgereicht!

Nach kurzem Zwischenstopp ging es dann also wieder zurück ins 1800 km nördliche gelegene Delhi. Als ich dort gegen halb 12 ankam, begrüßte mich wieder die reizende, schweflig-gelbe, neblige Dunsthaube, unter welcher Delhi begraben ist. Als ich dann im Taxi über die Ring Road (die meistbefahrene Straße Süd-Delhis) fuhr, sah ich das Lustigste was ich je auf einer indischen Straße zu Gesicht bekommen hatte:
Alle paar Meter hüpften 3-4 lila Luftballons über die Straße, und ich konnte mir daraus nicht wirklich einen Reim machen. Der übliche Verdächtige (irgendwo ist wohl eine Geburtstagsparty) schied aus, da bestimmt 5 Minuten alle paar Meter Luftballons zu sehen waren. Stattdessen erblickte ich den Übeltäter nach 5-10 Minuten auf der Straße: Ein dreirädriger Transporter, welcher weit über die Ladekante mit lilanen, aufgeblasenen Luftballons beladen war! Gut ein Viertel seiner Ladung hing hinten über und immermal wieder löste sich ein Paket von ca. 3-4 Luftballons und hüpfte über die Straße.
Warum man Luftballons in aufgeblasenem Aggregatszustand transportieren muss, ist mir ein Rätsel.

Auf jeden Fall wusste ich: Ich bin wieder daheim. Daheim in einer total wahnsinnigen, überfüllten, dreckigen Stadt, in welcher man auf jeder Fahrt bemerkenswertes erleben kann. Daheim heisst vor allem auch: Eine Dusche mit warmen Wasser, gefiltertes Wasser aus dem Hahn, eine Toilette mit deutschem Klopapier und ein benachbarter Market mit allem möglichen importierten Lebensmiteln....

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

haha, wie geil mit den Luftballons! :D