Aber erst ein kurzes Update zum Hier und Jetzt: Letzte Woche sind Leonie und ich ziemlich zeitgleich krank geworden und haben Defence Colony, C-226 zu einem Krankenhaus gemacht. Nichts Schlimmes, "nur" ein Grippe, die mich persönlich immerhin von Freitag bis Sonntag ans Bett gefesselt hat. Ich huste allerdings immernoch wie ein Rikshaw-Fahrer nach der Rush-Hour Schicht.
Besonders, wenn ich so lustige Dinge wie heute morgen sehen darf: In der Defence Colony wurde im letzten Monat eine komplette Straße an einer Seite längs aufgerissen, um ein neues Kanalrohr zu verlegen (Papa, du weißt, welche ich meine) - Seit ca. einer Woche sind die Arbeiter weg, die Warnschilder auch und die Rohre sind offensichtlich verlegt worden und mit Erde bedeckt worden.
Wie gesagt...mit Erde. Heute morgen sahen wir einen kleinen Laster, der mit zwei Rädern ca. 40 cm tief in der Straße steckte, weil er den "Fehler" machte, ziemlich genau dort lang zu fahren, wo die Straße aufgerissen wurde. Das passiert, wenn man einem Laster über lockere Erde fährt, in dem nichts anderes als ein frisches Kanalrohr drinsteckt. Beziehungsweise, passiert, wenn man den Laster fahren lässt! Indischer Straßenbau, wie er leibt und lebt. Ohne Sinn und Verstand. Frei nach dem Buch "The White Tiger": "Warum scheint es China besser als Indien zu gehen? Nun, wenn ich einen Staat konstruieren müsste, würde ich zuerst die Wasserleitungen verlegen und Straßen bauen und dann die Demokratie einführen, aber Indien hat sich nunmal für den anderen Weg entschieden"
Soviel zum Aktuellen. Zurück nach Mysore.
An Tag 3 meiner Reise machte ich eine Fahrt im gemieteten Taxi durch das Umland von Mysore. Die Straßen wurden teilweise einfach nur noch witzig. Hier reisst der Monsun scheinbar jeden Sommer fast die halbe Straße mit, so dass der Fahrer gelegentlich durch 50 cm tiefe Bodenwellen navigieren durfte oder die Asphaltstrecke für ca. 500 m zur Tropenbodenroten Sandpiste wurde...
Der Weg war an diesem Tag für mich fast schon Ziel genug. Die Vegetation und Landschaft ist einfach so anders als in der Ganges-Ebene und die Routinen des ländlichen Lebens unterscheiden sich auch von denen in Delhi um einiges...Zu dieser Zeit muss gerade Erntezeit gewesen sein, denn es war viel Betrieb auf den Feldern und auch auf der Straße.
Manchmal wurde die Straße auch in die agrarische Wertschöpfung eingebunden. Nachdem wir mehrmals über Haufen von Getreide gefahren waren, die zuvor noch hektisch eine Frau oder ein Kind auf der Straße verteilt hatte, fragte ich meinen Fahrer, was das denn solle. Er sagte, dass sich die Leute vom Land nicht gerne viel Arbeit machen und das Korn auf die Straße legen, damit die Autos, Traktoren und Laster drüberfahren. Dadurch würden nämlich die Körner rausspringen, welche danach wieder eingesammelt werden und gereinigt werden..
Wenn ich das also richtig verstanden habe, ersetzte diese Aktion das Dreschen des Korns. Großartig. Hat so gar keinen Haken, diese Methode. Sollte jeder so machen.
Ansonsten gab es natürlich wieder die übliche Mischung aus überladenen Traktoren/Anhängern, Frauen ohne Helm im Damensitz auf Motorrädern, kleinen Läden, vielen Menschen, etc...
Der Unterschied zum Himmel auf diesen Bildern und den Blick aus eurem Fenster: Es ist ca. 40 Grad wärmer hier.
Fahrt durch ein Dorf bei Mysore. Ja, die Hausbemalung im ersten Bild sagt: HeidelbergCement.
Der Tempel in Somnathpur hätte allerdings auch jede noch so beschissene Straße gerechtfertigt. Ein richtiges Kleinod - nicht protzig in Größe oder Dimension, sondern in Detailverliebtheit und Bauart. Das Dorf in dem der Tempel liegt, ist an Unbedeutsamkeit kaum zu schlagen - wenn da nicht wie aus dem Nichts dieser Tempel aus dem 12. Jahrhundert auftauchen würde, auf dessen Mauern Myriaden von Abbildungen zu sehen sind, zumeist von irgendwelchen der öchzigmillionen hinduistischen Götter.

Besonders schön an diesem Tempel war, dass es recht ruhig war (zumindest als die Schulklasse wieder weg war...) und ich mir alles in Ruhe anschauen konnte. Keine selbsternannten Reiseführer oder Souvenirverkäufer...
Ganz im Gegensatz dazu: Srirangapatnam, beziehungsweise der Tempel dort. Das lag vielleicht auch daran, dass er noch funktional war. Diesmal stellte ich mich mal dazu, ich wollte auch mal rein und sehen was so getan wird. Also eins ist festzuhalten: Während christliche Kirchen immer ein Ort der Stille sind, so ist ein indischer Tempel ein Ort des Lärms. Inklusive Menschenandrang, der mehr an die Schlange vor der Wasserrutsche im Spaßbad erinnert als an eine religiöse Stätte. Das heisst nicht, dass die Inder respektlos gegenüber ihren Göttern wären - beim Anblick der Gottheits-Statue wird brav Geld oder Essen gespendet, das Haupt gesenkt, oder sich in den Staub geworfen, und beim Verlassen des Tempels berühren die meisten noch einmal die Schwelle mit einer Art Bekreuzigungsgeste..
Srirangapatnam liegt auf einer Insel im Fluss Cauvery und war früher eine Festung, welche 1799 von den Briten erobert und zerstört wurde. Der große Freiheitskämpfer Tipu Sultan (ihr wisst schon, der Sohn von Haider Ali) fiel hier und ist dort auch begraben worden, nämlich im Gumbaz. Hört sich an wie ein westerwäldisches Schimpfwort, ist aber Folgendes:




BALD MEHR!
Ganz im Gegensatz dazu: Srirangapatnam, beziehungsweise der Tempel dort. Das lag vielleicht auch daran, dass er noch funktional war. Diesmal stellte ich mich mal dazu, ich wollte auch mal rein und sehen was so getan wird. Also eins ist festzuhalten: Während christliche Kirchen immer ein Ort der Stille sind, so ist ein indischer Tempel ein Ort des Lärms. Inklusive Menschenandrang, der mehr an die Schlange vor der Wasserrutsche im Spaßbad erinnert als an eine religiöse Stätte. Das heisst nicht, dass die Inder respektlos gegenüber ihren Göttern wären - beim Anblick der Gottheits-Statue wird brav Geld oder Essen gespendet, das Haupt gesenkt, oder sich in den Staub geworfen, und beim Verlassen des Tempels berühren die meisten noch einmal die Schwelle mit einer Art Bekreuzigungsgeste..
Srirangapatnam liegt auf einer Insel im Fluss Cauvery und war früher eine Festung, welche 1799 von den Briten erobert und zerstört wurde. Der große Freiheitskämpfer Tipu Sultan (ihr wisst schon, der Sohn von Haider Ali) fiel hier und ist dort auch begraben worden, nämlich im Gumbaz. Hört sich an wie ein westerwäldisches Schimpfwort, ist aber Folgendes:
BALD MEHR!


1 Kommentar:
Ich find die Idee mit dem Dreschen gut! Das ist viel kreativer als Holzklöppel! ;-)
und im Übrigen, ich finde Gumbaz klingt eher bayrisch und nicht als würde es aus dem schönen Rheinland-Pfalz kommen... :-)
Freu mich schon auf 2009!
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