Wetter in New Delhi

Montag, 13. Oktober 2008

Eine Hochzeit und ein Montag

Guten Abend!
Marie (meine deutsche Mitpraktikantin) kam sichtlich entspannt aus ihrem Kurzurlaub in Goa zurück. Sieht so aus als sollte ich das auch mal in Angriff nehmen. So ruhig, so viel Meer, so entpannt, niemand will was von einem...

Tja, Delhi sieht da anders aus. Als wir in der Riksha saßen kam an der Ampel eine jammernde Frau mit Kind auf dem Arm an die Riksha und wollte Geld - was Betteln in Indien von Betteln in Europa unterscheidet, ist dass man angefasst wird, meist am Bein oder am Unterarm, wenn man in der Riksha sitzt - das ist hier ziemlich normal. Allerdings ist es auch ziemlich normal, dass diese Frauen oftmals von ihren Männern Betteln geschickt werden, wegen des höheren Mitleidsfaktor, oder bandenmäßig organisiert sind... Nicht nur aus dem Grund, dass man gewisse Muster nicht noch verschlimmern will (wie gesagt, Amputieren erhöht auch den Mitleidsfaktor), ist das immer eine schwierige Entscheidung, was man denn machen soll. Wenn man hier jedem was geben würde, hätte man selbst einfach nichts mehr, denn die Armut ist wirklich groß.

Selbst im Botschaftsviertel gab es einen Abschnitt auf dem Bürgersteig der komplett von schlafenden Menschen besetzt war. Straßenhändler schlafen auf ihren Karren, und im Kreisverkehr der Defence Colony wohnt eine kleine Familie in einem selbstgebauten Zelt zwischen Mauer und Straße. Was dort auf so einem kleinen Kocher gekocht wird möchte man gar nicht wissen. Das kann ich also erzählen ohne in einem richtigen Slum gewesen zu sein...man sieht es einfach überall.

...
Nunja, das musste auch mal erzählt werden. Von diesen Zuständen gibts keine Fotos, weil es einfach recht unhöflich ist, auch noch mit der Kamera draufzuhalten.

Dennoch wieder zum Tagesgeschäft.
Die Arbeit war sehr normal, ich habe heute auch ein gutes nordindisches Essen (Chicken Curry Masala, Nan und Reis) genießen dürfen. Allerdings war ich auch erstaunt ob der Portionsgröße, die unter "half" zu kriegen war. Nach dem Essen kündigte plötzlich mein indischer Büroleiter und Finanzmann Sandeep an, dass er die bevorstehende Hochzeit von ihm und Nr.2 im Büro, Harmit ankündigen möchte. Ich war etwas verdutzt, da mir vorher nicht aufgefallen ist, dass sie irgendwie zusammen sind... (Kurzer Echtzeit-Einschub: Oh, grade ist wieder der Strom angegangen, sehr schön, dann geht die Klimaanlage auch wieder)
Auf jeden Fall bedeutet das, dass ich am (oder eher: ab?) 1. November eine indische Hochzeit erleben werde! Es wird übrigens quasi 2mal kirchlich geheiratet, da Sandeep Hindu und Harmit Sikh ist. Das ist hier kein Problem..
Aufgrund diesen Ereignisses gab es indische Süßigkeiten. OH..MEIN...GO...äh...DAWKINS! Vergeßt die Schwere von Baclava, vergeßt die Süße russischer Süßigkeiten, die Inder mögen eben die Extreme und toppen beides. Gleichzeitig. Dann brachte mir unsere Sekretärin auch noch Laddu (Foto nicht sehr passend im Link), eine weitere bleischwere Süßigkeit, die auch noch religiöse Bedeutung für die Jain hat. Irgendwie ist die religiöse Landschaft hier wie die im DSA-Universum (wer nicht weiß was DSA ist, fragt bitte den Nerd seines Vertrauens) - viel zu viel Götter, die für irgendeinen Aspekt des Lebens oder auch nur eine Region zuständig sind...

Ich hoffe, ich schaffe es trotzdem irgendwie hier abzunehmen. Das Wurstbrot fällt schonmal weg (eine richtig schön abgehangene Mettwurst....das wär was...) und mit Zwischenmahlzeiten hab ichs hier auch nicht. Der Hunger ist auch definitiv kleiner aufgrund des Klimas. Hm, wir werden sehen. Ich hab neulich einen alten Mann an der Straße gesehen, der eine Waage vor sich liegen hatte. Ich frage mich wirklich, ob das die Dienstleistung ist, die er anbietet.

Eine weitere Kuriosiät ist mir heute passiert...Im Feierabendverkehr hat der junge Riksha-Fahrer, der auch nicht wusste wo die Defence Colony ist und auch sehr gesittet gefahren ist, den Meter angemacht! Die Taxometer laufen nach Km-Stand, deswegen hätte er wegen des Staus 25 Rupien in ca. einer Stunde verdient. Ich hab ihm dann mehr gegeben, um seinen Akt der Ehrlickkeit zu belohnen. Außerdem hats mich so immernoch weniger gekostet als der normale Tarif (70 Rupien).

Achja, ich hab heute waschen lassen. Das heisst, dass heute morgen Vishna meine Sachen zur Wäscherei gebracht hat. Und heute abend hab ich meine Sachen sauber wiedergekriegt...und außerdem sind meine T-Shirts gebügelt, für 2 Rupien pro Teil. Das Waschen ist übrigens im "Preis" inbegriffen, dafür bezahl ich nix :)

Namasté
Benni

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Cool, ne Hochzeit!
Anika war ja recht begeistert :)

Waren die Süßigkeiten denn außer Süß und extrem auch gut? :D

Morgen erster Uni tag.. so früh raus wieder :(

Liebe Grüße,
Laura